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Hufkrebs

Equiner Hufkrebs – Strahlkrebs

Hufkrebs hat nichts mit Strahlfäule zu tun!
Hufkrebs ist ein Wachstumsprozess, Strahlfäule ist ein Zerfallsprozess!
Durch falsche Fütterung, Stoffwechselstörungen und anderen vermuteten Veränderungen an der Huflederhaut kann es zu krebsartigen Wachstumsstörungen kommen. Meistens wachsen blumenkohlartige spongiforme Geschwüre aus dem Strahlkörper. Seltener sind die Eckstrebenwände zuerst betroffen. Nach entsprechender Population der befallenen Zellen können die Eckstrebenwände, Sohlenkörper und auch die Hufballen befallen sein. Die Keimschichten (stratum germinativum) produzieren übermäßig viel stinkendes, käsiges Horn, welches sich übermäßig nekrotisch entzündet, da Bakterien ungehindert in das spongiforme Gewebe eindringen können. Die „Hornbildungsstörungen“ nennt man PARAKERATOSE. Die Parakeratose als solches kann an jedem hautbedecktem Körperteil des Pferdes auftreten. 
Noch vor einigen Jahren hat man fest behauptet das Hufkrebs durch Strahlfäule, und somit durch Bakterien welche Entzündungen auf der Huflederhaut verursachen, entsteht. Ärzte ermahnten die Pferdebesitzer oft zu mehr Hygiene in der Box und am Pferd. Viele der Hufkrebspferde hatten aber niemals Strahlfäule! Hufkrebs trifft am häufigsten bei Trabern oder Vollblütern auf. Ich habe zahlreiche Pferde mit Hufkrebs erfolgreich operiert, alle Tiere waren Traber, Blüter oder mit solchen gekreuzt. In sämtlichen Bücher zu diesen Thema werden Sie allerdings darauf hingewiesen das Kaltblüter und Pferde mit der weiten Hufform am häufigsten betroffen sind. Mir persönlich ist meiner Tätigkeit nur selten ein Kaltblüter unter das Messer gekommen, und die weite Hufform ist mir auch eher selten begegnet.

Am häufigsten erzählten mir die Kunden, daß der Patient zuvor einen Aufenthalt in einer Klinik oder zumindest eine erwähnenswerte medikamentöse Behandlung in den letzten Monaten bis zum optischen Erscheinungsbild der Modifikation hatte.

In einem Experiment hat man Pferde künstlich unter Zinkmangelzustände gesetzt. Nach einigen Tagen breitete sich die Parakeratose aus! Aus künstlichen Übersättigungszuständen mit Vitamin A modifizierten sich Keratome am Strahlkörper des Pferdes, es kam zu Dysplasie der Epidermis. Es lässt sich also eindeutig beweisen das Stoffwechselstörungen oder toxische Beeinträchtigungen Hufkrebs hervorrufen. Bei Gewebeuntersuchungen wurden Vertreter der taxonomischen Familie ( Bakteroidaceae) nachgewiesen.

Fusobacterium necrophorum konnte isoliert werden, doch konnte man leider noch nicht herausfinden, ob dieser Keim als Konterminat oder als Krankheiterreger gewirkt hat. In Einzelfällen sind Dermatitiden zu betrachten und auch eine Beteiligung von Fusobacterium necrophorum an Mesenterialabzessen (zusammen mit Actinomyces pyogenes und Streptococcus equi) ist bewiesen!
Wird der Hufkrebs entdeckt, so ist die weitere Vorgehensweise von entscheidender Bedeutung für die Heilungschancen.

  1. Das Pferd wird unverzüglich auf eine ausgewogene Diät gesetzt. Für die nächsten 6 Monate. Keine Möhren, Leckerchen, Müsli oder Kraftfutter und keine Silage!

  2. Eine Blutbildanalyse und Tetanusimpfung durch den Tierarzt.

  3. Termin zwischen Besitzer, Arzt und Schmied abstimmen (hierbei sollte auf erfahrene Fachleute geachtet werden).

  4. Radikaloperation aller befallenen Stellen, ggf. die Eckstrebenwände aufmeißeln und die Krebsgeschwüre entfernen. Sind die Hufballen mit befallen, so müssen auch die befallenden Stellen radikal entfernt werden.

  5. Deckelhufeisen mit sehr starkem Druckverband. Als Wundversorgung ist ein täglicher Verbandwechsel vorgesehen. Nach ca. 10 Tagen kann bei guter Heilung der Verbandwechsel auf zweimal pro Woche reduziert werden. Wechselweise wird zur Wundgenesung Lotagenlösung und Merbrominlösung zu 2% empfohlen. Begleitend sollten die nächsten 14 Tage nach der OP schmerzstillende Medikamente verabreicht werden.
Therapie:
Oft wird der Hufkrebs erst nach deutlicher Ausbreitung festgestellt. Daher kommt dann nur noch eine Radikaloperation in Betracht. Die betroffenen Stellen am (unter dem Huf) müssen radikal operativ entfernt werden. Häufig müssen die Hufballen und Eckstrebenwände mit entfernt werden. Als gute Wundversorgung und auch später zu Heilungsbeschleunigung hat sich Merbromin- und Lotagenlösung bestens bewährt. Das klassische Deckelhufeisen so wie auch Gipsverbände sind nach der OP gut geeignet um einen starken Druckverband zu gewährleisten. Der Druckverband ist zur Heilung äußerst wichtig, weil sich unter dem Druck keinen neuen „Krebszellen“bilden können. Oft sind die Pferde schon wenige Tage nach der Operation schmerz -und lahmfrei. Bei manchen Patienten war der operierte Herd schon nach ca. 8 Wochen so generiert, dass das Pferd bereits wieder im Sport eingesetzt wurde. Andere Patienten brauchten bis zu sechs Monate bis zur Einsatzbereitschaft. Eine begleitende homöopathische Behandlung durch einen „anerkannten Homöopathen“ ist ggf. empfehlenswert. Doch kann ich aus Erfahrung nur davor warnen eine ganze Therapie nur auf Homöopathiker zu stützen. Wird der Hufkrebs frühzeitig erkannt so hat sich auch schon eine Mixtour aus Kupfer–Sulfat-Pentahydrat mit Aluminiumacetat-Tartrat-Lösung bewährt. Täglich aufgetragen wurde eine Operation auch schon mal überflüssig.

Abschließend möchte ich die Pferdebesitzer ermahnen nicht die „Schuldzuweisung“ für eine solche Krankheit auf den Stallbetreiber zu projezieren. Hufkrebs kommt weder vom Reitplatz noch aus der Box.

Markus Raabe