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Hufrehe

Was ist Hufrehe?

Die Hufrehe (Volksmund auch Hufverschlag) ist eine Hufrehe diffuse aseptische Entzündung der Huflederhaut (Wandlederhaut). Hervorgerufen wird sie durch wechselwirkende und zusammenwirkende metabolische Vorgänge im Körper. Die krankhafte Veränderung am Huf ist nur die lokale Manifestation am Huf. Meistens sind beide Vorderhufe betroffen.

1. Prädisponierende Faktoren:
starke Temperaturschwankungen – heftige Futterumstellung – Stuten und Hengste sind öfter betroffen – schwere Kaltblüter und kleine Ponys sind häufig betroffen – starke Fettleibigkeit – vorständige und Bodenweite Stellung der Gliedmaßen – flache Hufsohle – Trachten und Kronenzwanghufe und nicht zuletzt durch falschen Beschlag, zu starkes Kürzen der Sohle oder Kaltbeschlag ohne Zehenrichtung, so dass der Abrollstoß auf die Hufwand übertragen wird. 
2. Ursachen:
Es lassen sich kardiovaskulär, renal und endorin bedingte Krankheitsursachen feststellen. Auch der Säure- Basegehalt sowie die Blutgerinnung ist gestört. Mechanisch-traumatische und chemisch-toxische Reaktionen wurden immer beobachtet. Toxisch-chemisch bedeutet Futterbedingt. – Eine Überfütterung mit Eiweiß und Kohlehydraten sowie ein mangelnder Reifezustand oder verdorbenes Futter.

Die häufigsten Reheauslöser:
Gerste, Weizen, Roggen, Mais, Zucker, Melasse, Erbsen, Linsen, Bohnen, Luzerne, gammelige Silage, frisches Feldheu. Hafer nur selten.

3. Differenzierung zwischen exogener und endogener Vergiftung.
Die exogene Vergiftung (von Außen) wird durch Futtermittel mit toxischen Inhaltsstoffen provoziert, - Medikamente, Schimmelpilze (häufig bei Silage) – Mutterkorn – usw. Auch Kortisone (nur langer Zeitraum) und Phenylbutation zählen zu den exogenen Erscheinungen. Glukokortikoide werden häufig als Entzündungshemmer verwand. Insbesondere Dexamethason über sechs Wochen angewandt kann eine Rehe verursachen.

Die endogene Vergiftung (von Innen hervor) wird verursacht von einer Stoffwechselstörung zum Beispiel bei eiweißreicher Fütterung bei der das Endprodukt Hystamin gebildet wird. Bei der kohlenhydratreichen Fütterung wird eine Überproduktion von Milchsäure erreicht. Der Ursprung der Fütterungsrehe liegt in der Kombination einer Übersäuerung des Dickdarms und der Freisetzung bakterieller Stoffwechselgifte. Zu den toxisch-chemischen Reheursachen werden auch solche gezählt, die während und nach der Geburt auftreten. Hufrehe tritt bei Maidenstuten in den ersten 24 Stunden nach der Geburt bei Nachgeburtsverhalten auf, wenn die Nachgeburt auch nach 48 Stunden nicht vollständig ausgeschieden wurde. Die “Geburtsrehe” entsteht durch die Ausscheidung der Noxe aus der Gebärmutter heraus und aus plazentarem Eiweiß.

Hufrehe kann auch nach und während fieberhaften Erkrankungen auftreten. Auch endokrine Imbalancen, wie z.B. das Chushing-Syndrom treten als Ursachen auf.
4. Veränderungen, die zu den Krankheitserscheinungen führen:
  • Veränderungen der Blutgefäße im Huf, wie das Zusammenziehen der Artreolen.
  • Erweiterung der starken Blutanfüllungen der Kapillaren.
  • Reversible Verklumpung der roten Blutkörperchen mit Strömungsverlangsamung.
  • Zunahme der arteriovenösen Kurzschlüsse.

5. Klinisch differenzierte Stadien
a - das Prodomalstadium
b - das perakute Stadium (das schmerzhafteste)
c - das akute Stadium
d - das rezidivierende akute Stadium
e - das rezidivierende chronische Stadium
f - das reversible chronische Stadium
g - das irreversible chronische Stadium

Das Prodomalstadium umfaßte den Zeitpunkt von der Aufnahme der Noxe bis zur Manifestation der klinischen Reheerscheinungen. Ca. 4 Stunden nach der Aufnahme der Noxe entschwindet das Wohlbefinden des Pferdes.

Das perakute Stadium (das schlimmste von allen) folgt auf das kurze Prodomalstadium. Hier kommt es zum Schockgeschehen und zu einer hochgradigen Rehelahmheit. Sollte hier schon Flüssigkeit an der Hufkrone austreten, so kann hier schon der Prozeß des Ausschuhens beobachtet werden. Meine persönliche Meinung ist, dass man spätestens hier das Tier einschläfern lassen sollte.

Das akute Stadium kann sich 2 – 4 Tage nach dem Prodomalstadium entwickeln. Hier können wir dann die Ruhestellung (Vordergliedmaßen weit nach gestellt) beobachten. Bei der Bewegung folgt die typische Trachtenfußung.

Nach Professor Obel (Dänemark) werden die Bewegungen des Pferdes eingeteilt:

Obel 1 - Die Hufe werden ständig in der Belastung gewechselt. Trippeln.

Obel 2 - Noch bewegt sich das Pferd freiwillig im Schritt.

Obel 3 - Bewegung nur noch mit Zwangsmitteln möglich.

Obel 4 - Das Pferd steht wie angewurzelt oder liegt. Wobei das Liegen immer nur auf einer Seite sehr gefährlich ist. Das Pferd droht zu ersticken, es muß alle 90 Minuten gedreht werden.
Lokale Befunde:
  • Pochende Pulsation der Mittelfußarterien
  • Vermehrte Wärme der Hufkrone und der Zehenwand
  • Schwellung oder Einsinken der Hufkrone
  • Deutlicher Druckschmerz an der Zehenwand sowie am Sohlenkörper
Die Regeneration der veränderten Gewebeschichten ist erst nach ca. 18 Monaten erreicht. In dieser Zeit kann es durch kleinste Noxen zu einem Rezidiv der akuten Rehe kommen. Oft konnte ich bei meinen Kunden beobachten, dass die rehetherapierten Pferde wieder auf fette Wiesen gestellt wurden. Meist läutete schon wenige Stunden später mein Handy, da die Pferde wieder sehr lahm gingen.

Therapie
Der Zeitpunkt des Eingreifens ist das Maß aller Dinge. Am besten ist es, wenn die ärztliche Hilfe schon 4 – 5 Stunden nach den ersten klinischen Erscheinungen beginnt. Zunächst muss natürlich die Fütterung optimiert werden. Nur Heu in geringer Menge genügt. Die Natrium / Kalium-Balance ist zu optimieren. Kaliummangel führt zu Natriumüberschuß – darauf folgt hoher Blutdruck und hat einen vasokontriktorischen (Gefäßverengend) Effekt. Deshalb bietet sich Kaliumchlorid zu 30g / Tag an. Kaliumchlorid bekommt man in der Apotheke und kann oral verabreicht werden. Biotin und Zink haben eine gute Wachstumswirkung für neues Hufhorn. Sollte das Pferd es zulassen, so werden die alten Beschläge entfernt. Schnellstmöglich werden nun Kunststoffkeile unter den Huf geklebt. Anbringen durch Hufnägel wäre hier nur Tierquälerei. Der Hufschmied muss eine sofortige Entlastung der Hufzehe erreichen und die Huftrachten gewaltig erhöhen. So verhindern wir das Zerren der tiefen Beugesehne am Hufbein. Der Aderlaß sollte vom Tierarzt und nicht vom Schmied vorgenommen werden. Der gute Tierarzt hat einige wirkungsvolle Medikamente für die akute Rehe bereit.

Abschließend ist zu sagen, dass die Rehe im noch nicht chronischen Stadium heilbar ist; - wenn Besitzer, Hufschmied und Tierarzt frühzeitig erkennen und handeln.
Chronische Hufrehe
Mit der Drehung oder Senkung des Hufbeins beginnt die chronische Rehe. Sollte das Hufbein sich um mehr als 10° senken, sprechen wir von einer irreversiblen chronischen Rehe (nicht heilbar). Schon bereits nach 12-30 Stunden nach den ersten klinischen Erscheinungen kann die Huflederhaut (der Hufbeinträgermechanismus) das Hufbein abstoßen.

Eine Mindestversorgung keratogener Zellen mit Sauerstoff und Nähstoffen bewirkt einen Verlust der onychogenen Substanz und die Bildung von Hufhorn minderer Qualität. Der Aufhängeapparat des Hufbeins wird bei der toxisch-chemischen Variante mit der Zerstörung an der Zehenwand beobachtet. Bei der mechanisch-traumatischen Rehe findet die Zerstörung des Hufbeinträgers am Sohlenkörper statt.

Symptome
Mit der Verlagerung des Hufbeins kann sich der Huf in seiner äußeren Erscheinung verändern.

Man unterscheidet zwischen Knollhuf und knolllosem Huf. Umformungshufe werden erst nach langen Krankheitsbildern beobachtet. Eine optische Veränderung der Krone tritt auf. Durch die Veränderungen der Wandlederhautblättchen und der Hornblättchen werden im akutem oder rezidivierenen chronischen Stadium die Hohlräume mit serofibrinösem Exsudat angefüllt. (Das sind dann die roten Stellen an der Hufwand, die ich schon so zahlreich meinen Kunden gezeigt habe. Ähnlich wie hämorragische Hämatome.)

Die weiße Linie wird sehr breit, faserig und ist teilweise blutunterlaufen. Das Hornwachstum ist vermehrt im Zehenbereich. Der gute Hufschmied sieht einen orthopädischen Beschlag ca. alle fünf Wochen vor. Sollte hier der Besitzer die orthopädische Hilfe für sein Pferd aus finanziellen Gründen verweigern, so ist der Pferdebesitzer im tierschutzrechtlichen Sinne zu belehren. Die Verweigerung von Hilfe zur Schmerzlinderung ist passive Tierquälerei und strafbar.

Pferde mit chronischer Rehe erkennt der Fachmann (echter Schmied, echter Tierarzt) oft schon an der auffälligen Trachtenfußung sowie das schnelle Hochschleudern der Hufzehe. Oftmals wird auch eine starke Hornverfärbung um den Bereich der Strahlspitze beobachtet. Das Horn der Sohle ist dann in diesem Bereich rot vom Hämoglobin gefärbt.

In den letzten 400 Jahren wurden unzählige Beschläge entwickelt. Wenige waren sinnig, viele schwachsinnig. Aber die Hufbeschläge welche die Hufzehe entlastet und die Trachten hochgestellt haben sind bis heute fast unverändert gut geeignet. Ich selbst habe eine sehr eigene Vorstellung von einem wirksamen Rehebeschlag und bin stets bemüht für meine Kunden einen individuellen Beschlag zu erarbeiten.