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Hufrollenentzündung

Man unterscheidet grundsätzlich die akute und die chronische Entzündung.

Akute Form:

Reizung des Strahlbeinbereiches, v.a. des Schleimbeutels unter der tiefen Beugesehne.
Ursachen:
  • Überlastung - dies führt zur nichtinfektiösen Form Hufrollenentzündung
  • Verletzung, vor allem durch Nageltritte
  • infektöse Form
  • Symptome:
  • Lahmheit (in allen Schweregraden möglich)
  • Zehenfußung
  • Pulsation der Fußarterie und Wärme
Die Symptome ähneln also weitgehend denen bei Strahlbeinfraktur, nur sind sie nicht so stark ausgeprägt. Bei der infektiösen Form sind sie allerdings wesentlich stärker, außerdem kommt es, meist am zweiten Tag, zu Fieber.

Bei der infektiösen Form besteht die sehr große Gefahr des Übergreifens der Entzündung auf das Hufgelenk und die tiefe Beugesehnenscheide, was Schwellungen bis über das Fesselgelenk hinaus verursachen kann!

Behandlung:
Bei der nichtinfektiösen Form 1 - 2 Tage Kühlen und anschließende Ruhepause von mindestens 4 Wochen Schritt Immer einen Tierarzt zu Rate ziehen. 
Chronische Form - Podotrochlose - (fälschlich auch "Hufrolle" genannt)
Hier finden Sie Hilfe:
Stützpunkt :

EQUIWENT
Hufbeschlagschmiede / orthopädische Versorgung in Harsewinkel
bei Warendorf:
Heerdamm 32, 33428 Harsewinkel (zwischen Warendorf - Gütersloh)
Büro: 0049(0)2583 9199 233 Mo - Fr. von 10.30 - 16.00 Uhr
E-Mail: equiwent@yahoo.de


Diese Form hat keine infektiösen Ursachen, ist also aseptisch. Sie ist eine der bedeutendsten Lahmheitsursachen bei Pferden. Zum Verständnis der Ursachen und der eintretenden Veränderungen ist eine gute Kenntnis der anatomischen Situation notwendig.


Das Strahlbein hat mehrere Funktionen:
  • Gleitlager für die tiefe Beugesehne (gemeinsam mit dem Schleimbeutel)
  • Teil des Hufgelenkes
  • Hilfsgelenk zum Hufbein

Das Strahlbein ist mit Hufbeinunterfläche, Hufbeinseitenästen, Hufknorpel und Fesselbein durch Bänder verbunden. Trotzdem ist es um den Mittelpunkt etwas beweglich. Das straffste Band ist das zur Hufbeinunterfläche, das Hufbein-Strahlbeinband.

Bei Belastung des Fußes entstehen am Strahlbein Zugkräfte und Druckkräfte wie durch Pfeile in der Abbildung angedeutet. An den Ansatzstellen dieser Kräfte kann es zu Verschleiß bzw. Veränderungen der Knochen- und Sehnenstruktur sowie des Schleimbeutels kommen, und zwar durch folgende
Ursachen:
  • Zu frühes Anreiten
  • Überbeanspruchung und mangelndes Abreiten
  • Stellungsfehler (natürlich oder durch falsches Ausschneiden), vor allem zu lange Zehe bzw. zu kurze Trachten
  • Schlechte Durchblutung, also auch Zwanghufe
  • Verschlechterung der Durchblutungssituation 
  • Vererbte Anlage
Letzteres ist ein äußerst wichtiger Punkt, vielleicht sogar der entscheidende. Dies lässt sich daran erkennen, dass oft schon drei- bis vierjährige, noch ungerittene Pferde starke Strahlbeinveränderungen aufweisen. Pferde mit Hufrollenerkrankung sollten deshalb zur Zucht keinesfalls verwendet werden.
Charakteristische Veränderungen bei Podotrochlose:

a) Veränderungen an Schleimbeutel und Sehne

Durch Verschleiß, also dauernde Reizung, kommt es zur chronischen Entzündung. Dadurch wird der Inhalt des Schleimbeutels dünnflüssiger, die Schmierung also schlechter. Im Extremfall trocknet der Schleimbeutel (die Bursa) völlig aus. Gleichzeitig entstehen Schäden am Knorpel und später am Knochen unter der Bursa. Es kommt zu Knochenabbau (bis hin zur Strahlbeinfraktur!), der im Röntgenbild sichtbar ist. Schlechte Durchblutung ist hier ein weiterer wesentlicher Faktor.

Auf der anderen Seite der Bursa wird die tiefe Beugesehne geschädigt. Nach und nach reißen die Sehnenfasern. Dies führt in schweren Fällen zu Sehnenschwellungen in der Ballen- und Fesselbeuge bis hin zum Sehnenabriß. Besonders leicht passiert das nach Nervenschnitt, wenn das Pferd den Schmerz nicht mehr spürt. Eine Sehnenentzündung in der Fesselbeuge nach Nervenschnitt bedeutet praktisch das Ende des Pferdes.

b) Veränderungen am Ansatz des Strahlbein-Hufbeinbandes

Auf zu starken Zug (s.o.) dieses wenig elastischen Bandes reagiert das Strahlbein am Bandansatz wie jeder brave Knochen mit Umbau der Knochenstruktur, und zwar

Knochenverdichtung in der Hauptzugrichtung
Knochenabbau um die großen Blutgefäßkanäle. Auch hier ist als zusätzliche Ursache schlechte Blutversorgung wahrscheinlich.
Beides tut der Knochen besonders gern, wenn er erblich vorbelastet ist.
Im Röntgenbild (2 Spezialaufnahmen möglich) sind die Veränderungen an beiden Hauptansatzpunkten gut zu sehen.
Symptome:
Die Erkrankung tritt praktisch nur vorne auf. Logischerweise beginnen die Symptome fast immer schleichend und noch dazu beidseitig, was ihre Erkennung natürlich erschwert. Nur selten setzt eine plötzliche Lahmheit auf dem stärker betroffenen Fuß ein. Typisch sind:

  • Schwungverlust, klammer Gang
  • Neigung zu Zehenspitzenfußung und deshalb Stolpern
  • Verstärkte Zehenabnutzung, sichtbar v.a. am Barhuf
  • Vorstellen eines Fußes im Stand
  • Neigung zu Zwanghuf und Strahlverkümmerung (dies kann also Ursache und Wirkung sein)
Der Tierarzt stellt die Diagnose durch Röntgen und Betäuben der zuständigen Nerven am lahmen (oft in Wirklichkeit nur lahmeren!) Bein. Wenn der andere Fuß mitbetroffen ist (meist), geht das Pferd oft nach der Spritze auf diesem lahm! (So genanntes Umspringen der Lahmheit, typisch für Podotrochlose).
Behandlung:
Der Beschlag muss natürlich dafür sorgen, daß die Zehen kurz genug und die Trachten hoch genug sind. Letzteres wird oft durch Keile erreicht. Das ist vertretbar, Stollen sind dagegen wie immer Gift. Auf weicherem Boden haben sie auch die gewünschte Wirkung nicht mehr, da sie sofort bis zum Eisen einsinken. Das NBS (Natural Ballance Shoe) hat in den letzten Jahren äußerst stark an Bedeutung gewonnen.
Sehr wichtig ist die Zehenrichtung, die leichtes Abrollen des Hufes begünstigt und so zur Entlastung der Beugesehnen und des Strahlbeins beiträgt.
Für den Tierarzt bleiben nach einigen gescheiterten Experimenten heute noch:
  • Durchblutungsfördernde Medikamente - gut, da Ursachenbekämpfung!
  • Schmerzmittel
  • Nervenschnitt
Vertretbar ist nur der tiefe Schnitt nach eindeutiger diagnostischer Injektion. Er belässt dem Pferd das Gefühl in der Zehe.
Vor allem mit durchblutungsfördernden Mitteln kann heute viel erreicht werden, korrekt zugerichteter Huf immer vorausgesetzt. Die Podotrochlose hat dadurch ein bisschen von ihrem Schrecken verloren.