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Spat

Spat ist eine schleichende (chronische) Knochenerkrankung des Sprunggelenks. Er wird bei den Huferkrankungen mit abgehandelt, weil er wegen der Therapie für den Hufschmied wichtig ist.

Das Sprunggelenk besteht aus:
  • dem großen Drehgelenk oben
  • drei Reihen kleiner Gelenkknochen unten. Diese sind durch Bänder straff miteinander verbunden und deshalb kaum gegeneinander beweglich.
Der Spat betrifft die zwei unteren Gelenksreihen. Es wird Knochensubstanz abgebaut oder zugebildet (häufiger). Spat ist also eine Form der Arthrose des Sprunggelenkes.
Ursachen:

Innere Ursachen
  • Stellungsfehler, die ungleichmäßigen Druck auf die Gelenksreihen verursachen: Kuhhessig, faßbeinig, säbelbeinig. Auch Stellungsfehler im Zehenbereich wirken sich bis ins Sprunggelenk aus (vgl. Behandlung!)
  • Säbelbeinigkeit trifft man besonders bei Trabern häufig an. Zusammen mit der extremen Belastung durch die raumgreifenden Trabtritte macht sie den Spat geradezu zu einer Berufskrankheit der Traber.
  • Schwache Sprunggelenke
  • Erbliche Belastung in Richtung Gelenksschwäche
  • Die an der Innenseite über das Gelenk laufende "Spatsehne" übt hier Druck aus und belastet das Gelenk dadurch zusätzlich.

Äußere Ursachen
  • Zu frühe Belastung
  • Zu starke Belastung, alles was mit starker Hankenbiegung unter Last verbunden ist.
  • Falsches Ausschneiden, vor allem zu kurze Trachten schiefer Tragrand, daher einseitige Belastung des Beines
Symptome:

Exostosen

Die Knochenzubildungen (Spatknoten) finden sich auf der Innenseite des Gelenks direkt oberhalb des Röhrbeins. Am besten sieht man sie beim Betrachten von vorn.

Zuerst wird durch die o.g. Ursachen der Gelenksknorpel geschädigt, und zwar meist im Randbereich der Knochen. Das Knorpelgewebe wächst nicht nach. Deshalb erfolgt der Versuch der "Reparatur" vom darunterliegenden Knochen aus. In das geschädigte Knorpelgewebe sprossen zunächst Blutgefäße ein. Durch sie wandern Knochenbilderzellen ins Gewebe. Sie verursachen ein örtliches, unregelmäßig wucherndes Knochenwachstum, also eine Arthrose. Im fortgeschrittenen Stadium sieht der neugebildete Knochen papillomartig aus.

Die Arthrose kann so weit gehen, dass die Gelenkflächen miteinander verwachsen. Die betroffenen Gelenkteile versteifen. Mit schwindender Beweglichkeit geht durch die verringerte Reibung oft auch der Schmerz zurück (s.a. Behandlung).

Lahmheit
Die Lahmheit entsteht durch die Reibung der (oft spitzen) Knochenzubildungen aneinander und an der enganliegenden Gelenkkapsel.

Der Schmerz entwickelt sich allmählich mit der Arthrose. Sind beide Sprunggelenke gleichmäßig betroffen, geht das Pferd klamm. Wie bei jeder Arthrose läuft sich das Pferd ein, d.h. die Lahmheit wird unter Belastung nach einiger Zeit geringer oder kann sogar (je nach Schwere der Erkrankung) verschwinden.

Wie jede Gelenkserkrankung kann auch die Spatlahmheit durch die Beugeprobe verstärkt sichtbar gemacht werden:

Vortraben zur Feststellung des "Normalzustandes". Das Hinterbein oberhalb des Fesselgelenkes fassen, um die Zehengelenke nicht mitzubeugen Das Bein nach vorne hin aufheben. Das Sprunggelenk wird dabei maximal, aber nicht über das normale Maß hinaus(!) gebeugt. Nach sechzig Sekunden antraben lassen. Die ersten Tritte sind bei positivem Befund deutlich lahm. Eine vorhandene Lahmheit wird verstärkt.

Achtung: Die Spatprobe kann falsch negativ ausfallen. Zum Ausschluss einer Spaterkrankung ist sie daher eigentlich nicht geeignet. In dieser Hinsicht wird ihre Bedeutung vor allem bei Ankaufsuntersuchungen überschätzt.

Der Schmerz kann sich auch äußern durch:
  • Verlagerung der Bewegung in die Kruppe, um die Sprunggelenksbelastung zu verringern. Folge sind oft Rückenverspannungen.
  • Flacheres Vorführen des Hinterbeines infolge der eingeschränkten Sprunggelenksbewegung. Es kommt zu Schleifspuren im Bereich der Zehenspitze.
  • Hahnentritt: Hochreißen des Beines bei jedem Schritt. Dient wahrscheinlich dem schnellen Überspringen der kritischen Beugungsphasen. Meist sind die äußeren Hufzehen stark abgeschliffen.

Behandlung:

Spat ist wie jede Arthrose nicht rückgängig zu machen, also unheilbar. Er ist aber eine Form der Arthrose, die therapeutisch relativ gut zu beeinflussen ist, und mit der man daher in vielen Fällen "leben kann".

Die Behandlung erfordert huforthopädische sowie tierärztliche Maßnahmen und eine besonders gute Zusammenarbeit zwischen Hufschmied und Tierarzt!

Zurichten des Hufes:
  • Entlastung der inneren Gelenksteile. Also werden die Tragränder im Trachtenbereich (fließender Übergang!) an den Innenseiten ca 2 bis 3 mm gekürzt. Ein orthopädischer Beschlag ist meist unumgänglich.
  • Erleichterung des Abrollens: Trachten schonen! Zehenrichtung!
Tierärztliche Maßnahmen:
  • Medikamente zur Entzündungshemmung und Schmerzlinderung
  • Operation zur Durchtrennung der Spatsehne und der Nerven im kritischen Gelenkssbereich.
  • Operation zur Versteifung der betroffenen Gelenksreihen.
Das früher (?!) gern vorgenommene Brennen und Blistern des Spatbereichs ist nicht nur in der Wirkung fragwürdig, sondern Tierquälerei!